Dieser Freitag – kein Tag für Adlkofen

Adlkofen. „Pünktlich wie die Maurer“ – diese Redensart ist generationenalt und steht für die Eigenschaft ehemals vornehmlich der Angehörigen dieser Zunft, pünktlich mit dem Glockenschlag Stein und Kelle aus der Hand zu legen. Feierabend – komme, was da wolle. Inzwischen hat diese Unsitte, nichts zu Ende zu bringen, wenn’s über das Zwölfuhr- oder Feierabendläuten hinaus geht, insbesondere an einem Freitag, in jedem Handwerk Einzug gehalten. Anstatt der Kelle fällt dann dem Vertreter einer anderen Zunft eben mal der Schraubenzieher aus der Hand. Und so hat es für den letzten Buchstaben auch am Adlkofener Rathaus an diesem Freitag nicht mehr gereicht. Am Geld für den letzten Buchstaben dürfte es ja gerade bei einer Bank nicht gelegen haben. Für hoffentlich nur dieses Wochenende ist in dem Gebäude nun also neben der Gemeindeverwaltung auch die „VR-Bank Landshu*“ untergebracht.

Es heißt zwar „einem geschenkten Gaul, schaut man nicht in’s Maul“ und das mag durchaus seine Berechtigung haben, aber man muß ja auch nicht nach allem greifen, nur weil „geschenkt“ drauf steht. Wer mag zum Beispiel schon so fett- und geschmacklos dürre Bretter, die sich „Schweine-Minutensteak“ schimpfen und dabei mit einem echten Steak so wenig gemeinsam haben, wie Sonne und Mond? Solche verschenkt der NETTO Marken-Discount seit Mittwoch, als mit Verteilung einer Wochenzeitung die Gutscheine als Aufkleber auf der Titelseite die Haushalte in Adlkofen erreichten. Natürlich nur solange der Vorrat reicht.

ankündigung wir schenken ihnen drei schweine-minutensteaksAuf der einen Seite wird mit großzügigen Geschenke-Steaks um Kundschaft gebuhlt, auf der anderen Seite zieht man eben dieser mit unverschämtem Gottvertrauen auf deren Bequemlichkeit, eiskalt das Geld aus der Tasche. Da liegen heute Nachmittag im Regal der Gemüseabteilung in Beutel abgepackte Buschbohnen. Grüne Bohnen mit Butterkartoffeln und Speck. Eine prima Idee für ein herzhaftes Abendessen! Wenn nur nicht immer die Arbeit mit der Bohnenputzerei wäre. Andererseits, eine so große Menge Arbeit macht eine 400-Grammportion auch wieder nicht. Also her mit dem Beutel, ich such mir auch noch den mit dem schönsten Inhalt aus. Und dann mache ich etwas, was vielleicht jedes Jahrzehnt einmal passiert. Ja, auch ich bin ein bequemer Mensch, aber heute will ich’s wissen – ich leg den Beutel mit den Bohnen auf die Waage und kontrolliere das Gewicht.

Bingo! Oh jeh oder „Ups“ – ganz wie Sie wollen! Anstelle der auf dem Etikett aufgedruckten 400 gr zeigt die Waage gerade einmal 302 Gramm! Das sind 25 Prozent weniger Gewicht und bedeutet 300 Gramm Bohnen zum Verkaufspreis von 400 Gramm. „Mogelpackung“ nennt man das wohl, wenn man freundlich ist. Das bin ich aber heute nicht, denn mir entgeht gerade mein schönes Abendessen, denn den Preis bin ich nicht gewillt zu bezahlen! Richtig schlimm wird’s dann auch noch, wenn wie im diesem Fall, der – wie er betont – stellvertretende Marktleiter, den ich an die Kasse rufen lasse, keine Kompetenzen hat, den Preis den tatsächlichen Gewichtsverhältnissen anzupassen.

Schlimmer geht nimmer? Oh doch, denn der Knabe macht keine Anstalten, die zum Nachteil der Kunden falsch ausgepreiste Ware sofort aus dem Regal zu nehmen. Daß man als Kunde einen stellvertretenden Marktleiter dazu auffordern muß, hier tätig zu werden, treibt einem die Tränen in die Augen. Ganz offen – weniger Geschenke und dafür ehrliche Preise wären mir hundert Mal lieber!

Unfaßbar auch, was sich an anderer Stelle im Gemeindegebiet so tut, oder besser gesagt – nicht tut! Da bekanntlich über das Wochenende in der Gemeindeverwaltung telefonisch niemand anzutreffen ist, wurde am vergangenen Samstagvormittag die Vilsbiburger Polizeidienststelle von mir darüber informiert, daß im Straßengraben entlang der LA3 von der Einmündung der LA 31 bei den Biberteichen in Fahrtrichtung Günzkofen ein totes Reh liegt. Und zwar wenige Schritte nach dem sechsten Straßenbegrenzungpfosten von der Kreuzung aus gezählt. Der Beamte am Telefon bedankt sich für die Mitteilung und will gleich im Anschluß den zuständigen Jagdpächter informieren.

rehkadaver im strassengraben an der la3 auf hoehe laeuterkofen
Dieser Rehkadaver liegt seit über einer Woche im Straßengraben an der LA 3

Auf meinem Weg nach Adlkofen komme ich letzten Mittwoch wieder an der Stelle vorbei und prompt liegt der Kadaver immer noch dort. Diesmal ist es Geschäftsführer Johann Theiß, den ich von dem Fund unterrichte und auch er sagt zu, den Jagdpächter zu verständigen. Ich gehe davon aus, daß sowohl der Polizeibeamte als auch Johann Theiß den Jagdpächter oder eine andere zuständige Person unterrichtet und zur Abholung des Tierkadavers aufgefordert haben. Warum der Jagdpächter den Kadaver dennoch an Ort und Stelle beläßt und sich nicht darum kümmert oder möglicherweise ja sein „Stellvertreter“, ist nicht bekannt. Jedenfalls liegt das Reh auch heute (Freitag, 16. Dezember., 16 Uhr) – sieben Tage nach seinem Auffinden – immer noch an Ort und Stelle.

Dieser Freitag, das war kein Tag für Adlkofen – und dabei ist’s noch nicht einmal ein Dreizehnter!

 

Schreibe einen Kommentar