Reisebericht des hochwürdi- gen Paters Georg Zehetbauer

Yunnan – fou,

den 31. Dezember 1926 – I. Teil

Pater Georg Zehentbauer
Pater Georg Zehentbauer

Gott zum Gruß! Euch und allen lieben Wohltätern in der Heimat ein recht glückliches „Neues Jahr“! Heute, am letzten Tage des Jahres 1926 weilen meine Gedanken bei Euch und im Stillen denke ich mir, wie es Euch ergehen mag und was es Neues gebe in der Heimat. Heute denke ich noch mal an das, was nun weit, weit hinter mir liegt, an die Tage des Abschiedes von Euch und der Heimat, an die wechselvollen Bilder, wie sie sich mir zeigten auf der langen See- und Landreise ins blumige Reich der Mitte. Und heute will ich auch den längst erwarteten Reisebericht zu schreiben beginnen.

Wann ich ihn beendigen werde, kann ich heute noch nicht sagen, auch nicht, wie viele Seiten er in Anspruch nehmen wird.

Den guten Rat aber kann ich Euch heute schon geben: Bringt der Postbote den Brief am Vormittag, dann fangt lieber nicht zu lesen an, sonst wird’s mit dem Kochen nichts Gescheites und Fleisch und Knödel werden Euch zehn mal kalt, bis Ihr mit dem Lesen fertig werdet. Das möchte ich nicht auf dem Gewissen haben..!

Der Brief ist an Euch gerichtet, aber auch an alle, die gerne wissen möchten, wie es dem China-Missionar, ihrem Landsmann auf der weiten Reise ins ferne Reich der Mitte ergangen ist.

Wenn Euch der Brief Freude macht, bin ich für meine Mühe genug belohnt. Doch, ich darf auch die leise Hoffnung hegen, daß viele aus der Heimat dem fernen China-Missionar dieselbe Freude machen werden!

Daß mir keiner antworte, er könne ja nicht schön schreiben, mache viele Fehler und wisse nichts zu erzählen! Für alles, was in der Heimat vorfällt, habe ich Interesse, und was Schrift und Rechtschreibung angeht, sage ich nur, daß ich kein Schulprofessor mehr bin, der auf derartige Dinge achtzugeben hat. Nur viel schreiben, das ist die Hauptsache! Nach Möglichkeit wird auch von mir stets Antwort erfolgen. –

Nach dieser langen Einleitung greife ich zu einem langen Tagebuch und entnehme ihm einige Aufzeichnungen – bunte Bilder, wie sie sich jedem zeigen, der mit offenen Augen die wundervolle Gotteswelt bereist. –

„Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reih’ von guten Tagen.“ Das hab ich nie glauben wollen, am wenigsten dann, wenn uns Studenten die Professoren diese wichtige Lebensweisheit am Ende der Ferien vorhielten, um uns wieder für das Studium zu begeistern. Nein, nein auf die Tage der Ferien finden diese Worte keine Anwendung! Sollten die Alten mit ihrer Erfahrung Unrecht haben? Es ist mir, als wären erst wenige Wochen seit meinem Abschiede von der Heimat verflossen, so lebendig sind in mir noch jene schönen Tage!

Ja, da hatte ich es wirklich gut. Jeder wollte dem scheidenden Missionar noch etwas Gutes tun, von allen Seiten wurde er eingeladen, überall sollte er Abschied nehmen und Abschied feiern. Und als ich längst die Heimat verlassen hatte, da dauerten diese guten Tage noch lange fort in den verschiedenen Häusern unserer Provinz, wo die Missionare ihren lieben Ordensmitbrüdern ein herzliches „Lebewohl“ sagten.

Ja, ja, es stimmt schon: „Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reih’ von guten Tagen!“

Aber schön war’s doch, und heute denke ich gerne an diese Tage zurück, die Erinnerung an sie wird mir ein Quell der Ermunterung zu freudigem Schaffen sein in den Stunden schwerer Missionsarbeit.

Aus früheren Briefen wißt Ihr bereits, daß ich von der Heimat weg, nicht sofort zum Dampfer gefahren bin, daß ich vielmehr mehrere Wochen in Westfalen weilte, in Hiltrup, wo wir unser Hauptkloster haben. Dort erhielten wir drei China-Missionare unsere Ausrüstung für die Mission. Was so ein ausreisender Missionar alles brauchen kann, kann ich Euch hier gar nicht aufzählen. Am besten wär’s wohl gewesen, wenn jemand von Euch beim einpacken dabei gewesen wäre. Dann wäre gewiß zu den vielen hochgelehrten Büchern auch ein Kochbuch gekommen, das man ich China recht gut gebrauchen könnte, bis sich ein europäischer Magen an die hiesige Kost gewöhnt hat. Auch hätte ich dann nicht das nötige Schanzzeug zum Essen, Gabel und Löffel vergessen. Probier’s Du einmal mit den chinesischen Essstäbchen – in den ersten Tagen kommst Du bei Tisch nicht auf Deine Rechnung. Und wenn ich später wieder einmal so eine Weltreise mache, dann packe ich in meinen Handkoffer auch Nadel und Zwirn, damit ich die ausgerissenen Knöpfe nicht in der Tasche herumtragen muß.

Endlich, gegen Mitte Oktober, waren wir reisefertig. Unsere Koffer gingen nach Hamburg, wo sie auf die „York“ verladen wurden; wir selbst aber wollten den Weg durch Deutschland, Österreich machen und erst in Genua am 30. Oktober das Schiff besteigen. Auch mein Reitsattel, den mir die Filiale beim Abschiede geschenkt hatte, mußte in eine dunkle Kiste. Ob’s ihm wohl recht gewesen ist, ob er sich nicht lieber auf einen Gaul gesetzt hätte und mit mir den direkten Weg nach China genommen hätte? Aber …. wo her-nehmen und nicht stehlen? –

Die Fahrt nach dem Süden, durch Bayern, über Regensburg, Landshut – München, war für mich ein letztes Abschied nehmen von der Heimat. Als ich vom Zuge aus zum letzten Mal meine Heimatpfarrei herüber grüßen sah, als die Türme von Landshut allmählich meinem Blicken entschwanden, da wußte ich auf einmal, wie teuer mir die Heimat war, wie sehr ich sie liebte.

Und nun fort von ihr, auf viele, viele Jahre…?

Doch keine trüben Gedanken! Ich wollte ja fort, um heimatlosen Menschen den Weg zu schönerer, zur ewigen Heimat zu zeigen. War dies nicht ein Opfer wert?

Im Lieferinger Kloster war am 24. Oktober die letzte große Abschiedsfeier. Wie freute ich mich darauf, etliche Tage dort weilen zu dürfen, wo ich so glückliche Jahre meiner Studentenzeit verlebt habe. Und wie ich hernach erfahren habe, waren auch wir dort freudigst erwartet.

„Die Chinesen kommen. Ob sie wohl schon lange Zöpfe haben?“

Es tat mir leid, die wissensdurstigen Studenten damit enttäuscht zu haben – meine beiden Begleiter sagten immer, das Zöpfetragen sei in China aus der Mode gekommen, und nach der neuesten Mode muß man sich doch richten nicht wahr! …
Bevor wir vom Kloster scheiden, treten wir noch mal in die Kapelle, um den Segen für die lange Reise zu erflehen. Einen Gruß an die Himmelsmutter senden die jungen Studenten empor, daß sie die Missionare sicher ans Ziel geleite. „Meerstern ich die grüße, Gottesmutter süße!“

Und dann geht es ans Abschied nehmen von lieben Mitbrüdern, die teils meine Lehrer gewesen, teils mit mir jahrelang Freud und Leid in der Studentenzeit geteilt hatten. Und erst die Studenten! Die sind voller Begeisterung für die Mission, die gingen am liebsten jetzt schon mit – als Kofferträger vielleicht oder als Ministrant. „Auf Wiedersehen!“ tönt es uns von allen Seiten entgegen.

„Nun ade lieb Heimatland!“ Die Studenten blasen, daß ihnen die Bachen schwellen. Nun schnell in den Wagen, ein letztes Winken – bald ist Kloster und Dorf hinter mir – meine zweite Heimat „Leb’ wohl! Auf Wiedersehn!“

Bei ganz klarem Wetter kann man in den ersten Morgenstunden von der Heimat die Alpen sehen. Habt ihr da niemals den Wunsch gehabt, auch einmal in dieses Wunderland zu reisen, wie das die großen Herren im Sommer tun, wenn sie zuviel Geld in der Tasche haben?

Wir waren bald in frohester Stimmung, als wir vom Zuge aus die Schönheit der Alpenwelt, liebliche Täler und gewaltige Bergriesen betrachteten. Und Sehnsucht bekam ich, auf den Gipfel eines hohen Berges zu klettern, wie ich’s früher so gerne getan hatte, als ich in Innsbruck studierte, noch mal das heilige Tirol zu überschauen und in der Ferne zu grüßen das liebe Bayernland. Aber wir hatten keine Zeit mehr zu verlieren. Selbst in Innsbruck konnten wir nur einen halben Tag bleiben, dann ging es weiter dem Süden zu, in die Fremde. Als der Zug den Brenner empor kletterte, kam es mir vor, als ginge es in den Himmel hinein – wir fuhren in die Wolken, was wir sahen, war mit Schnee bedeckt.

Die Italiani – hinter Rauchwaren her, wie der Schwarze nach den Seelen

Was kümmerte uns auch die langsame Fahrt – wir saßen ja so gemütlich und waren im Wagen – in einem bayerischen Wagen, wie ich an einem kleinem Schilde merkte. Auch ein großes Schild hing an der Wand, auf dem ein prächtiger, geräucherter Schinken gemalt war. Der kann von Glück reden, daß er nicht echt gewesen! Nicht, weil er etwa vor uns nicht sicher gewesen wäre, nein, wir waren froh, die guten Tage hinter uns zu haben. Aber die Grenze hätte er nicht anstandslos passieren dürfen, am allerwenigsten da droben am Brenner bei den Italiani! Die sind auf Rauchwaren so scharf wie der Schwarze nach den Seelen! Hätte ich das eher gewußt, wäre mir nicht in den Sinn gekommen, „es ginge in den Himmel hinein“, und ich hätte besser verwahrt, was mir liebe Seelen in der Heimat eingepackt hatten. Einem durchreisenden Ausreisemissionar die Koffer zu durchstöbern und alles kunterbunt durcheinander zu werfen mögen die Italiani für vornehm halten – ich jedenfalls nicht. Da haben uns später, nebenbei bemerkt, die französischen Zollbeamten in Tonkin viel nobler behandelt. Ich komme aber zum Glück mit dem bloßen Schrecken und einem durcheinander gewühlten Koffer davon – den so „gefährlichen Dingern“, die ich später mit größtem Vergnügen in Brand steckte, war man nicht auf die Spur gekommen.

Nicht so gut geht’s bei meinen beiden Begleitern ab; da ist das Auge des Gesetzes viel schärfer! Aber prächtig! Ein Teil der schon requirierten Ware verschwindet fix wieder in ihre Taschen, ohne daß der Zöllner eine Ahnung davon bekommt. Das andere Teil ist allerdings so ziemlich verloren, weil wir den hohen Zoll nicht bezahlen wollen – aber was schadet’s? Den Humor haben sie uns nicht nehmen können, im Gegenteil, wir sind hernach lustiger gewesen denn je. Ich habe einmal gehört, daß es in jedem Lande einen Ort gebe, wo solch’ requirierten Sachen gesammelt und dann einfach vernichtet werden …. Nun, dazu gehört doch schon ein starker Glaube…!

Waren wir schon in Italien? Nach den italienischen Namen an den Stationen zu urteilen, ganz gewiß. Aber sagt einmal: Wenn ich von Euch ein Buch nehme, kratze Euren Namen aus und schreibe meinen Namen hinein – gehört das Buch dann mir? So ähnlich hat es Italien gemacht: Aus Franzensfeste wurde Tortezza, aus Brixen Bressano, aus Bozen Bolzano, aus ganz Südtirol Alte-Adige. Sie haben mir leid getan, diese biederen Söhne eines Andre Hofer, die ihre Heimat lieben wie kaum ein Volk, daß sie mit einem Federstrich – vaterlandslos geworden sind. – In Bozen blieben wir die Nacht bei den Eucharistinern, die uns mit viel Liebe und Herzlichkeit aufnahmen. Erst am andern Morgen – 27. Oktober kamen wir ins richtige Italien.

Richtig! Die Wagen hatten nichts Gemütliches mehr an sich, sie waren kalt, und es zog von Fenster und Türen, daß ich es gesundheitswidrig fand, immer im Abteil zu bleiben. Auf der Fahrt Verona – Mailand hatte ich nicht mehr „die Qual“, zwischen Abteil und Seitengang zu wählen – der Zug war einfach überfüllt. So stand ich da im Seitengang, eingezwängt zwischen Menschen und Koffern, drei Stunden lang, und versuchte bald das rechte, bald das linke Bein zu ermüden. Und wenn ich es mir etwas bequem gemacht hatte, wollte jedes Mal so eine dicke französische Mamsell bei mir vorbei. Etliche Male tat ich ihr den Gefallen, dann aber wurde es mir doch zu dumm und ich versperrte ihr einfach den Weg. Nun sah sie wohl ihre Ungehörigkeit ein und entschuldigte sich. Sie hätte im anderen Wagen ihr Gepäck und so müsste sie auf jeder Station Nachschau halten, ob noch alles da sei. Komisch! Diese Frau fürchtet für ihr Gepäck, wenn sie nicht dabei ist, und wir dürfen zuschauen, wenn man uns die Sachen aus den Koffern holt. – Für diesen Tag hatten wir genug an der Eisenbahnfahrt – wir stiegen gegen drei Uhr Nachmittag in Mailand aus, einmal, um die herrliche Stadt, vor allem den Dom, zu besichtigen, und dann wieder um eine ruhige Nacht zu haben.

Eine „ruhige Nacht“ in Mailand

– „Und nie wieder eine Eisenbahnfahrt in Italien unterbrechen ob solcher Gründe“ so lautete am andern Tag unser einstimmiges Urteil. Daß wir aber auch ausgerechnet am 28. Oktober, am Nationaltage der Italiener, in Mailand sein mußten! Ich sage Euch: das war ein Lärmen und Tosen und ein Theater auf Straßen und Plätzen, daß ich mich lebhaft an die Revolutionstage in Deutschland erinnerte. Coira Mussolini – Hoch Mussolini! Die Häuser waren beflaggt, die Trambahn, die Autos – Umzüge fanden statt, an denen selbst die Schuljugend teilnahm – alles in schwarzen Hemden! und alles Fahnen in den Händen! Und noch etwas läßt mich Mailand nicht vergessen, das Hotel die Milano mit der überaus feinen Bedienung, wo wohl der Geldbeutel, nicht aber der Magen auf seine Rechnung kam. Auch pfeif’ ich auf eine Bedienung, bei der nach jedem Bissen Teller und Gabel gewechselt werden, dabei man aber verhungern kann. Ich habe daraufhin zu meinen Mitbrüdern gesagt: Auf die ganze Hotelkost leiste ich Verzicht, wenn ich bekomme, was heute daheim übrig geblieben ist. Habe ich damit nicht recht gehabt? …. – –

Richtig! Meinen alten Schirm wollte ich Euch zu Hause lassen… Und jetzt die traurige Mitteilung, daß er beim Verlassen des Hotels zusammengebrochen ist. Was sollte ich mit ihm anfangen? Ich konnte ihn doch nicht nach China mitnehmen! Aber bis zum Bahnhof schleppte ich ihn noch, dann umgeguckt… eins, zwei, drei in eine Ecke der Unterführung gestellt… und dann geschwind nach oben! So herz- und treulos konnte ich sein, und meinen lieben Begleiter bei Sturm und Regen in seiner letzten Stunde verlassen! Was wohl die Italiener aus ihm gemacht haben? Vielleicht haben sie ihm das Fell abgezogen und flattert jetzt als Faschistenfahne bei Wind und Wetter! Wer weiß?…

Endlich in Genua

Lange grüßten uns gestern die Alpen, als wir die oberitalienische Tiefebene durchquerten, bekannt durch ihre schönen Seen, durch ihre Fruchtbarkeit und ihr warmes Klima. Heute ging es wieder in die Berge hinein, und sie folgten uns bis an die Küste, bis nach Genua, dem Endziel unserer langen Landreise. Mag man dabei noch soviel Schönheit an Natur und Kunst, in Stadt und Land gesehen haben – ich habe kaum davon erzählt, weil ich kein Dichter bin – so wird man schließlich doch froh sein, dem Dampfroß endgültig den Rücken kehren zu dürfen. Es goß in Strömen, als wir über das holperige Pflaster von Genua fuhren, in einem Vehikel, so altersschwach und gebrechlich, wie mein Schirm von gestern! Aber das Gefährt sowohl als auch wir drei Missionare kamen ohne Leibschaden im Hotel National an.

Erwähnen muß ich, daß hier die meisten deutschen Missionare absteigen, wenn sie ausreisen oder von einer Mission zurückkehren. Wir wurden demnach als „alte Bekannte“ empfangen und bewirtet, ja, man konnte wieder einmal richtig deutsch sprechen; besonders mit dem Hoteldiener, einem gemütlichen alten Onkel aus der Schweiz, unterhielten wir uns prächtig.

Draußen regnete es immer noch, ein schweres Gewitter entlud sich über die Stadt, so mochte der Himmel wohl die heißblütigen Faschisten etwas abkühlen und uns müden Missionaren zur Nachtruhe verhelfen.

Am anderen Tag war der große Rummel vorbei, der „ewig“ blaue Himmel Italiens zeigte sich – wir durften es „wagen“, die Stadt zu besichtigen. Mit einer Stadtbeschreibung will ich Euch verschonen, falls Ihr wirklich daran Interesse hättet, könnt Ihr Euch ja das entsprechende Buch von einem G’studierten ausleihen.

Ein Besuch des Camposanto

Eines erwähne ich nur, damit ihr nicht gleich alles vom Buch heraus zu studieren habt, den Camposanto, den Friedhof Genuas, der der schönste von der Welt sein soll. Wir hätten Tage und Wochen gebraucht, um die vielen herrlichen Kunstwerke in karischen Marmor richtig würdigen zu können, die vielfach gerade die tröstlichsten Wahrheiten unserer Religion zum Ausdruck brachten: den Glauben an die Auferstehung, die Hoffnung auf ein glückliches ewiges Leben, die Liebe des himmlischen Vaters, der seine Kinder an der Schwelle des Jenseits empfängt, und vieles aandere. Freilich, es fehlte nicht an Grabmälern, die ganz gut in einen heidnischen Tempel gepaßt hätten, die nur die Macht des Todes, hoffnungslose Trauer und Verzweiflungsschmerz darstellten. –

Zum ersten Mal: das Meer!

Ein alter Missionar, der bereits 17 Jahre in Manila tätig gewesen und jetzt zum zweiten Mal hinauszog, nahm mich um Gotteslohn ins Auto, und hinauf ging es auf einen ziemlich hohen Berg, von wo aus ich die Stadt übersehen und weit ins Meer hinausblicken konnte.

Aber einen so gewaltigen Eindruck hat das Meer nicht auf mich gemacht, wie es zuweilen in Büchern geschildert wird von denen, die zum ersten Mal das Meer gesehen hatten. Erst später, auf offener See, als ich weit und breit nichts mehr sah als Himmel und Wasser, bekam ich eine kleine Ahnung von der Größe des Meeres; und als sich die Wogen auftürmten und das Schiff hin- und herwarfen, da machte die Gewalt und die Majestät des Meeres einen solchen Eindruck auf mich, daß ich mich vor ihr beugte und niederlegte – seekrank. Doch davon später!

Die York, die uns Missionare nach Ostasien bringen sollte, war am Abend des 29. Oktober im Hafen von Genua eingelaufen. Wir verließen darum das gastliche Hotel und siedelten auf den Dampfer über, richteten uns möglichst häuslich in der Kabine ein – gerade groß genug, um neben den Lagerstätten und Waschschränken noch drei Missionare aufnehmen zu können.

Nachricht vom Heiligen Vater

Vor der Abfahrt des Schiffes erlebten wir noch eine freudige Überraschung: Der hl. Vater sandte uns in einem Telegramm seine Glückwünsche und seinen apostolischen Segen! Wer war glücklicher als wir!

Nun mochte die Aufgabe, die unser harrte, noch so groß sein und mochte sie Schweres von uns fordern: Der Segen des Vaters der Christenheit, Gottes Segen war mit uns. Und wie ich dann dachte an das Gebet so vieler in der Heimat und Kloster, da überkam mich große Freude und Zuversicht und wartete mit Sehnsucht auf das Zeichen zur Abfahrt.

Hiermit schließe ich den ersten Teil meines Berichtes; er ist länger geworden, als ich dachte. Wenn ich die nötige Zeit finde, werde ich auch die Seereise beschreiben. Für heute ein herzliches „Grüß Gott“ und „Gute Nacht“!

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Reisebericht des hochwürdigen Paters Georg Zehetbauer

Unter die Räuber gefallen – Fortsetzung Teil 4
Epilog

 Foto: Familienarchiv von Kastulus Altinger