Todesurteil für den Biber

Adlkofener Flur wird „biberfrei“ gemacht – wegen Wassermangel

Eine Lebendfalle, aber hat man ihn, wird er erschossen: Die Stunden des Adlkofener Bibers sind gezählt…

Adlkofen. Fünf, sechs Jahre ist es her, da hat sich in den Teichen unterhalb Läuterkofens neben dem Oberlauf des Pfarrwiesgrabens ein Biber angesiedelt. Eine mächtige „Burg“ hat er sich inzwischen gebaut und machte auch sonst seinem Ruf alle Ehre. Seine Lieblingsbeschäftigung Dämme zu bauen, bricht jetzt dem letzten seiner Art auf Adlkofener Gemeindegebiet „das Genick“ – er wird eingefangen und erschossen. Ein ähnlich trauriges Schicksal ereilte bereits zwei Artgenossen aus der Adlkofener Biberfamilie. 2014 war ein Exemplar überfahren worden. Heuer im Frühjahr brachte dann ein polnischer Autofahrer aus dem Landkreis Dingolfing-Landau einen weiteren Biber aus dem Adlkofener Revier nur wenige Meter von den Teichen entfernt mit seinem BMW zur Strecke. Waren diese beiden Biber noch ungeplante Opfer des Straßenverkehrs geworden, soll jetzt dem vermutlich letzten verbliebenen Biber in Adlkofen auf ganz und gar unwaidmännische Art der Garaus gemacht werden. Mit einer Falle gefangen und dann erschossen – so ist sein Schicksal geplant, wie aus der Unteren Naturschutzbehörde in Landshut auf Anfrage am gestrigen Freitag zu erfahren war. Beantragt hat die Biberbeseitigung die Gemeinde Adlkofen.

Der Pfarrwiesgraben ist Vorfluter der Adlkofener Kläranlage. Wie Bürgermeisterin Rosa-Maria Maurer dem ADLKOFENER BLATT“L gegenüber erklärte, hätten die Biberdämme im Bachlauf zu einer drastischen Verminderung der Wasserführung geführt, so daß die Kläranlage nicht mehr ordentlich habe arbeiten können. „Wir bekommen Umweltprobleme und Ärger mit dem Wasserwirtschaftsamt wegen Nichteinhaltung der Abwasserwerte“, so die Adlkofener Rathauschefin. Auf dem kurzen Stück von den Teichen bis zur Straßenabbiegung nach Läuterkofen habe die Gemeinde bei ihrer letzten Aktion fünf kleine, aber massive Biberdämme beseitigen müssen. So massiv gebaut, daß man für ihre Beseitigung einen Bagger benötigt habe. Jetzt wird also der Biber in Adlkofen beseitigt „weil der Kläranlagen-Vorfluter wegen der Dämme zu wenig Wasser führt“.

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Einer der zahlreichen Knochenbrecher, die den Damm zwischen Teich und Pfarrwiesgraben durchlöchern

Das mag zutreffend sein, für die wenigen Stunden in denen sich der Wasserpegel hinter einem Biberdamm in einem Gewässer wie dem Pfarrwiesgraben aufstaut. Erreicht das Wasser jedoch seinen möglichen Höchststand, fließt es in der gleichen Menge über die Dammkrone in den Bach ab, wie es am anderen Ende beim Damm ankommt. Wobei ein Biber seinen Damm ja nicht urplötzlich in den Bach stellt und so verbleibt schon während der Bauphase ausreichend Wasser im Bach. Da spielt es auch keine wesentliche Rolle, ob ein Biber in einem Bach einen oder mehrere Dämme baut. Das ist wie bei einem Turm aus unterschiedlich großen Wasserbehältern: wenn der oberste kleinste Behälter voll ist, läuft das Wasser über den Rand in den nächsten Behälter, dann wieder in den nächsten und so weiter. Sind alle Behälter voll und wird weiter Flüssigkeit nachgegossen, läuft aus dem letzten Behälter die gleiche Menge über, die oben reingeschüttet wird. Wenn in diesem Beispiel auch Zeit vergehen mag, bis sich ein Behälter nach dem anderen füllt – bei unserem Biber verhält sich das ohnehin ein wenig anders. Ein Biber baut seine Dämme ja nicht am Stück im Stundentakt, sondern über Tage und Wochen hinweg. Hinzu kommt, daß Biberdämme nicht so abgedichtet sind, daß der darunter liegende Bachlauf  für die Zeit des Anstauens trocken fallen würde. So ist also gewährleistet, daß immer Wasser abfließen wird, mag ein Biber noch so viele Dämme bauen. Das alleine kann es also nicht sein, warum ein Graben plötzlich zu wenig Wasser führt, um noch als Vorfluter für eine Kläranlage in der Adlkofener Größenordnung zu taugen.

An Silvester 2014 stand sie noch: Diese mächtige Erle mußte aus Sicherheitsgründen im Frühjahr 2016 gefällt werden.
An Silvester 2014 stand sie noch: Diese mächtige Erle mußte aus Sicherheitsgründen im Frühjahr 2016 gefällt werden.

Durch den ansteigenden Wasserspiegel im Bachbett kann es allerdings zu einer Art Kettenreaktion im Untergrund der angrenzenden Grundstücke kommen. Je nach Bodenbeschaffenheit und vor allem Zustand beziehungsweise Wasserdurchlässigkeit des bislang über der Wasseroberfläche liegenden Bachufers können sich diese Böden mit Wasser aus dem Bach vollsaugen. Einem trockenen Schwamm ähnlich, der mit einer Flüssigkeit in Berührung kommt.  Das kann dann über einen längeren Zeitraum, je nach Größe des natürlichen „Schwamms“ zu einem verminderten Wasserablauf führen.  Ist der „Schwamm“ jedoch einmal voll, normalisiert sich auch der Wasserstand hinter dem Damm und im Bachlauf wieder. Viel gravierender jedoch: dieses Vollsaugen der Böden ist nichts anderes als eine Versumpfung der betroffenen Äcker. Genau dafür wurde der Biber von der Evolution erfunden, um damit für ausreichend Lebensraum für Sumpf- und Wasserpflanzen zu sorgen. Das aber kann keinen Landwirt freuen. Das Grundstück zwischen der LA 31 und den beiden Teichen rechts des Bachlaufs war von einer solchen Versumpfung sicherlich betroffen.

Warum aber macht der Biber so etwas wie Dämme bauen? Weiß er sich keinen besseren Zeitvertreib? Das dürfte im Adlkofener Fall in erster Linie mit dem Bestreben zusammenhängen, durch den ansteigenden Wasserstand für einen neuen oder größeren Lebensraum natürlicher Nahrungspflanzen zu sorgen. Dort, wo Biber leben, brauchen sie ganzjährig Nahrung, denn Winterschlaf kennen die großen Nager nicht. Da sie bestimmte Wasser- und Sumpfpflanzen als Nahrung bevorzugen, ist es ein angeborenes Verhalten, die Wasser- beziehungsweise sumpfige Flächen in den Revieren zu vergrößern, um so für Raum zur natürlichen Verbreitung ihrer Nahrungspflanzen zu sorgen. In dem genau seinem „Wohnteich“ gegenüberliegenden Acker links vom Pfarrwiesgraben hatte unser Biber mit Sicherheit ein solches Gebiet ausfindig gemacht, wuchs dort doch zweitweise eine von ihm sehr begehrte Nahrungspflanze. Wenn Mais auch nicht ursprünglich auf ihrem Speiseplan anzutreffen ist, Biber lieben Mais!

Während der Wachstumsphase und in der Zeit der Fruchtreife von Mais, haben Biber keinen Bedarf für wesentliche Abwechslung auf ihrer Menükarte. Was aber für die Zeit danach, wenn die Felder im Spätherbst abgeerntet sind? Also gibt es für den Biber keine Alternative, seine Natur drängt ihn, Dämme zu bauen, Wasser aufzustauen um so noch mehr Nahrung – in den Fall Mais – zur Verfügung zu haben. Für Biber bedeutet „Mehr“ nämlich auch zeitlich länger, da sie ja von einem Erntezeitpunkt und seinen Folgen für ihre Lieblingsnahrung nichts wissen. Mais ist gleichbedeutend mit Nahrung – mehr Nahrung mit mehr Wasser und Sumpf und ein Mehr davon wieder mit Damm. Er folgt also nur einem Millionen Jahre altem Schema das ihm sagt, wenn er mehr davon will, muß er Dämme bauen. Biber lesen eindeutig zu wenig Bücher, weshalb sie nichts von Maisanbau verstehen und machen einfach das, womit sie die Schöpfung programmiert hat.

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Der Biberdamm verräts: Gülleeintrag im Pfarrwiesgraben

Nun möchte ich keinem Landwirt hier etwas unterstellen, aber dem Biber werden sie in Adlkofen unter keinen Umständen eine Träne nachweinen, selbst wenn ihre Böden trocken geblieben wären. So ein Biberdamm führt bei gewissen Wasserständen zu einer geringen Oberflächen-Fließgeschwindigkeit. Das wiederum bedeutet: gelangen Stoffe in das Wasser, die dort eigentlich nicht hineingehören, sind sie längere Zeit feststellbar. Gülle zum Beispiel ist so ein Stoff, der im Bachlauf nichts verloren hat. Wie das nebenstehende Foto belegt, war von solchen Gülleeinträgen auch der Pfarrwiesgraben immer wieder einmal betroffen und wird das auch in Zukunft wohl weiterhin sein. Was in Zeiten ohne Biberdamm nur bei Entnahme von Wasserproben meßbar ist, wurde dank Damm besonders im oberen Bachlauf auf der aufgestauten Wasseroberfläche immer wieder für das bloße Auge sichtbar. Das Bild ist vom 11. April 2016.

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Die „Trampelpfade“ des Bibers sind deutlich auszumachen…

Von den an die Gewässer angrenzenden Feldern haben sich die Adlkofener Biber jedes Jahr ihren Anteil geholt. Mais und Getreide sind bei ihnen sehr beliebt. Das mag die Landwirte geärgert haben. Der Schaden dürfte jedoch zu verschmerzen gewesen sein. Das Erreichen dieser Nahrungsquellen östlich der Teiche war für die Tiere durch den steilen Hang zwar mühsam, aber gefahrlos. Nach einiger Zeit hatten sie jedoch den Bogen raus und nahmen eine seitlich mehr gen Süden ausgerichte Route. Deutlich festzustellen war dies an den Spuren, die der über den Boden geschleifte platte Biberschwanz hinterließ. Sie glichen mehr einem ausgetretenen Trampelpfad als der Spur eines Tieres. Noch dazu, wenn nirgendwo Trittsiegel sichtbar sind.

blick ins biberrevier von adlkofen am 16. august 2012
Blick in’s Biberrevier: Am 16. August 2012 stehen noch alle markanten Bäume. Vier Jahre später sind alle verschwunden – die Weide, die beiden hochaufragenden Erlen und die rotbelaubten „?“, von denen ich nicht weiß, was es waren.

Gab es östlich der Teiche jedoch keine Nahrungspflanzen – an Raps zum Beispiel haben Biber offenkundig kein oder nur sehr wenig Interesse – sucht er diese erst einmal auf Flächen, die er mit Hilfe seiner „Wasserstraßen“ erreichen kann. Im Wasser können sich Biber nämlich am Leichtesten und Schnellsten fortbewegen. Die zur Nahrungssuche ohnehin bevorzugte Fläche war der Acker zwischen LA 31 und dem Pfarrwiesgraben. Erst wenn in unmittelbarer Nähe zu ihrer „Burg“ keine Nahrung zu finden ist, suchen Biber die weitere Umgebung ab. Dazu mußten die Adlkofener Biber, da ihre „Wasserstraße“ an der Kreuzung mit der LA 3 verrohrt und für Biber damit unpassierbar ist, zwei relativ stark befahrene Kreisstraßen überqueren – die LA 31 oder die LA 3. Oder weiter bachabwärts suchen. Die Konsequenzen für die Biber in Fällen der Straßenüberquerung sind bekannt.

Gerade an dem weiter oben beschriebenen Beispiel zu den Gewohnheiten der Nahrungssuche auf dem höher gelegenen Gebiet östlich der Teiche wurde für alle Spaziergänger und Naturfreunde, die die Adlkofener Biberteiche zu der Zeit besuchten sichtbar, daß Biber nur an bestimmten Stellen das Wasser verlassen. Folgte man den Spuren, wurde schnell deutlich, daß es immer nur eine gab. Sie endete an einer Stelle im Acker und führte nicht mehr weiter. Also mußte das Tier umgedreht haben und seiner eigenen Spurt zurück gefolgt sein. So kommen Biber immer wieder an der Stelle eines Teiches oder Bachlaufs an, an der sie das feuchte Element auch verlassen haben. Wo das jeweils ist, hängt mit der Geländebeschaffenheit des Ufers zusammen. Die muß so sein, daß es dem Biber überhaupt erst möglich ist, mit seinen relativ kurzen Beinen Halt beim Verlassen der Wasserfläche zu finden. Also möglichst flach.

Nahrung trägt Europas größtes Nagetier nicht in seinen Bau, jedoch in eigene Vorratskammern außerhalb der Burg. Sie liegen unmittelbar neben derselben und vollkommen unterhalb des Wasserspiegels. Das Einsammeln von Nahrung geschieht, sofern sie diese nur trockenen Fußes erreichen, also auf den vorstehend beschriebenen „Trampelpfaden“. Diese Pfade sind nicht unbedingt der kürzeste Weg zurück ins Wasser, aber für die Tiere die optimalsten, da sie zu bekannt günstigen Uferstellen zurück ins Wasser führen. Und in’s Wasser muß so ein Biber, will er seine Vorratskammer auffüllen, denn der Eingang dazu liegt ebenso wie der zu seiner Behausung unter Wasser.

bachausstieg_westl_boechsung_6_8_2012Der kürzeste Weg zu den Nahrungsquellen westlich der Teiche führte die Adlkofener Biber quer durch den Pfarrwiesgraben in ihr Schlaraffenland. In der ersten Zeit seiner Anwesenheit hinterließen die Biber auch hier eine sehr deutliche und unmißverständliche Spur an exakt dieser einen Stelle, die das nebenstehende Foto belegt. Sicher verleitete auch der steile Anstieg die Tiere dazu, diesen durch das Anstauen der Wasserfläche einfacher zu gestalten.

Die Beispiele machen deutlich, daß die Adlkofener Teiche an dieser Stelle eigentlich ein ideales Biberrevier darstellen und warum es zu bestimmten Erscheinungen wie einem Dammbau immer wieder an der vom Biber zuerst ausgewählten Stelle kommen mußte. Die weiteren Dammbauten im Pfarrwiesgraben weiter unten zur Abzweigung nach Läuterkofen hin gelegen, legte der Biber erst dann an, als seine Futterpflanzen in Folge der von den Landwirten dort geplanten Fruchtfolge auf den Äckern weiter entfernt von seiner Burg wuchsen. Die von ihm nutzbare Wasserstraße dorthin mußte einfach „biber- und transportgerecht“ ausgebaut werden.

Diese Dämme führten, wie unsere Bürgermeisterin aus der meiner Sicht irrigen Annahme ausführte, zu dem beklagten Wassermangel im Vorfluter der Kläranlage. Selbst wenn der Wassermangel tatsächlich darin begründet läge, ist nicht nachzuvollziehen und bleibt schleierhaft, warum man in der zuständigen Stelle der Unteren Naturschutzbehörde in Landshut immer nur auf diese eine Idee zur „Bibergvergrämung“ verfiel. Den Ausführungen zufolge, seien „alle anderen Maßnahmen“, wirkungslos geblieben. Welche Maßnahmen das allerdings gewesen sein sollten, wurde nicht erklärt. Es ist also anzunehmen, daß sie sich tatsächlich auf die sich immer wiederholende Zerstörung des obersten und „größten“ Dammes im Bachlauf beschränkten.

Ich frage mich natürlich schon, was das für eine „Vergrämungsmaßnahme“ sein sollte? Wird in der Wildnis ein Biberdamm durch ein Naturereignis zerstört, macht der Biber anschließend was? Genau! Er repariert den Damm oder beginnt ihn neu zu bauen. Davon läßt er allenfalls ab, wenn sich die Geländeeigenschaften gravierend negativ verändert haben.

Eventuell hätte man den Biber zur Abwanderung bewegen können, wenn man seine Burg zerstört hätte. So etwas mag in der Regel kein Wildtier und es sucht sich, macht es diese Erfahrung, daß eine ausgewählte Behausung nicht sicher ist, einen neuen Platz oder es verläßt das Revier für immer. Möglicherweise – jedoch eher unwahrscheinlich – hätte das nur dazu geführt, daß der Biber von einem Teich in den nächsten umgezogen wäre. Dann hätte man eben ein weiteres Mal zur Tat schreiten müssen. Aber einen Damm zerstören? Und das auch noch bei einer  von der Natur als wahrem „Dammbaumeister“ vorgesehenen Art? Leute, da kann man nur den Kopf schütteln…

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Noch relativ bescheidene Ausmaße: die Biberburg am 16. August 2012

Übrigens weiß man das auch bei der Unteren Naturschutzbehörde, denn sie macht sich genau diese Eigenschaft des Bibers jetzt zu eigen, um ihn in die Falle zu bekommen. Gestern Morgen wurden von Arbeitern des Landratamtes erst der obere Hauptdamm im Pfarrwiesgraben mittels Bagger gründlich beseitigt, ehe man anschließend die Falle aufstellte. Die wurde so platziert, daß sie mitten auf einem Wechsel von Wasserausstieg am Teich zu der Stelle des – jetzt ja nicht mehr aufgestauten – Baches führt, an der der Biber dort immer ins Wasser geht. Die Wahrscheinlichkeit, ihn hier schnell zu erwischen, ist also groß. Ein halber Apfel als betörend duftener Köder soll die Erfolgsaussichten bei der zweifelhaften Jagd auf das ohnehin extrem kurzsichtige Tier erhöhen…

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„Schluß mit „lustig“ – Arbeiter des Landshuter Landratsamtes reißen am 21. Oktober 2016 ermutlich zum letzten Mal für längere Zeit den Biberdamm im Pfarrwiesgraben ein

Die beiden Teiche an der Einmündung der LA 31 in die LA 3 gelegen, haben ohnehin ein sehr wechselhafte jüngere ökologische Geschichte. Um die Jahrtausendwende waren sie voller Leben, wobei sich insbesondere Kröten zu den Fischen und Libellen gesellt hatten, was alljährlich im Frühjahr und Herbst zu einer beachtlichen Krötenwanderung geführt hatte. Als sich dann auch die Bisamratten breit machten und den Teichdamm – der hier als Waldweg zwischen Teichufer und Graben verläuft – zum Pfarrwiesgraben hin in eine Art „Schweizer Käse“ zu verwandeln begannen, wurde es den Teich-Eigentümern nach einer langen Geduldsphase zu bunt und sie ließen die Teiche ab. Kein Wasser, keine Bisamratten – logisch. Nebenbei war das aber auch das „Aus“ der dortigen Krötenpopulation.

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Blick über den Teich zur „Burg“

Die hat sich auch nicht mehr eingestellt beziehungsweise neu aufgebaut, als die Teiche nach einigen wasserlosen Jahren wieder saniert und befüllt wurden.

An ihren Füßen haftenden Fisch- und Froschlaich tragen ja auch Wasservögel wie Enten gelegentlich von Gewässer zu Gewässer. An manchen Tagen waren Wildenten auf den beiden Teichen kurz zu Gast, wenngleich sie sich hier nicht dauerhaft ansiedelten. Die letzten, von denen ich weiß, hat nicht der Fuchs, sondern der Jäger geholt. Bei unseren beiden Weihern hat das mit dem Laich in den letzten sechs Jahren nicht wirklich funktioniert. Kröten und Frösche sind bis heute dem Gewässer fern geblieben, Fische gibt es reichlich und auch gehörige Kaliber in der trüben Brühe. Ein kurz nach dem Wiederbefüllen gelegentlich dort vorbeikommender Fischreiher wurde im gleichen Jahr noch tot im Unterholz neben dem Gewässer aufgefunden. Im Frühjahr und Sommer 2016 hat sich jetzt wieder ein paar Mal einer dieser majestätischen Vögel sehen lassen. Gelegentlich die Teiche überfliegende Kormorane haben bislang noch kein Interesse an den dann doch wohl für sie zu kleinen Wasserflächen bekundet.

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April 2013 – der Biber hat Schuld…

Mit dem Wasser in den Teichen ist auch die Bisamratte oder der „Bisam“ zurückgekehrt. Es sind übrigens keine Ratten, sie gehören zur Familie der Wühlmäuse und sind deren größter lebender Vertreter. Auch ist der Bisam keine ursprünglich in Europa heimische Tierart. Sie wurden 1905 aus Nordamerika nach Böhmen eingeführt. Es waren genau drei Paare. Seitdem ist viel geschehen. Die Nager vermehrten sich blitzartig und haben in 111 Jahren ganz Europa bis hin zum Ural und darüber hinaus die asiatischen Nordregionen bis zu den Toren Wladiwostoks erobert. Das läßt erahnen, wie schwierig es ist, ihren Bestand zu reduzieren und das dann auch noch an so idealen Plätzen wie unseren Biberteichen.

Man hat auch diesmal wieder versucht, ihrer durch Bejagung Herr zu werden. Auch dieses Mal blieb es beim Versuch. Vielmehr ist es den Tieren gelungen, sich entlang des Pfarrwiesgrabens in unmittelbarer Nachbarschaft der Teiche erfolgreich zu etablieren. Entsprechend die sichtbaren Folgen: Im Sommer diesen Jahres haben die Gänge mehrfach zu gefährlichen Einbruchstellen im Weg zwischen Bachlauf und Teichen geführt. Da sie unterirdisch beziehungsweise unterhalb der Wasseroberfläche angelegt sind, laufen sie mit Wasser voll. Der Boden weicht auf. Was im Laufe der Zeit nicht fortgespült wird, gibt bei Belastungen nach und die „Tunneldecke“ bricht ein.  Diese „Knochenbrecher“ blieben bislang nur folgenlos, weil der Weg nur selten begangen und von Reitern nicht benutzt wird. An der Entwicklung jedenfalls ist nicht der Biber beteiligt, wenn gleich man im Adlkofener Rathaus auch dieser Meinung zu sein scheint.

In unserem Fall haben die Bisamtunnel dazu geführt, daß das Teichwasser durch sie in den Pfarrwiesgraben abgelaufen ist. Zeitweise war der Weg am Teichufer kaum mehr sicher passierbar, so stark drückte das Wasser durch die Bisamgänge und quoll an verschiedenen Stellen einfach aus dem Boden. Das führte zu einer Absenkung des Wasserspiegels im Teich und alarmierte wiederum den vierbeinigen Dammbaumeister. Diesmal jedoch an anderer Baustelle: Die beiden Teiche liegen unterschiedlich hoch im Gelände und sind durch ein Rohr miteinander verbunden. Dammbaumeister Biber verschloß dieses Rohr und verhinderte so, daß der Eingang zu seiner Burg trocken fiel. Die Freude darüber war bei der Gemeindeverwaltung, wie man sich vorstellen kann, entsprechend groß…

Der unwetterartige Starkregen Ende April 2013 hatte auch dem Pfarrwiesgraben Schäden zugefügt. Genau an der Stelle, an der sich der Biberdamm befand. Zufall? Das Hindernis im Bachlauf hielt den Wassermassen stand, die linksseitige Uferböschung jedoch nicht. Sie wurde unterspült und vom Hochwasser mitgenommen. Schuld war natürlich insgeheim auch hier – der Biber, wer denn sonst?

Daß an solchen Stellen meist eine ganze andere Todsünde im Umgang mit der Natur offengelegt wird, will wohl niemand so wirklich wahrhaben, denn die Fehler werden bundesweit tagtäglich wiederholt: es wird bei Uferböschungen gerade an Bachläufen generell viel zu wenig auf eine gesunde und stabile Bepflanzungen geachtet, die geeignet ist, die Böschungen zu befestigen. Viel lieber ist man da schnell mit der Motorsäge dort zur Hand, wo es eine solche Bepflanzung noch stellenweise gibt und lichtet Baum und Buschbestand in verheerendem Ausmaß, um ja möglichst wenig Schattenwurf, dafür mehr Ernteertrag auf angrenzenden Böden zu bekommen.  Das alte Lied – Gier geht vor Vernunft – am Ende war’s im Zweifel eh der Biber…

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Für jedermann deutlich sichtbare Spuren seiner Anwesenheit hinterläßt der Adlkofener Biber im Januar 2013 an dieser Weide am Bachlauf des Pfarrwiesgrabens

Das Adlkofener „Biberrevier“ wüßte sicher noch manche Geschichte zu erzählen, doch nicht wirklich viele davon werden jemals erzählt werden. Die vom vorerst letzten Adlkofener Biber soll jedenfalls nicht auch in Vergessenheit geraten.

Zum ersten Mal wirklich für jedermann bemerkbar, machten sich die Biber in Adlkofen im Winter des Jahres 2013. Bis dahin war für Eingeweihte nur der über das Wasser hinausragende Teil ihrer Behausung – die Burg – sichtbar, vom regulären Weg zwischen Pfarrwiesgraben und Teichen jedoch nur sehr schwer auszumachen. Dann jedoch wurde die Nahrung knapp und er begann mit seiner typischen Nagerarbeit und dem Bäumefällen. Zu den ersten stattlichen Opfern zählten eine Weide und eine Erle direkt am Bachlauf des Pfarrwiesgrabens.

Ob die Jagdgenossen, denen das Teichgrundstück gehört, Freude an den Aktivitäten des Adlkofener Neubürgers hatten, kann man bezweifeln. Was sich der Biber da so an besonders schönen Bäumen im Laufe der weiteren Jahre aussuchte, kann manchen Naturfreund die Haare zu Berge stehen lassen. Besonders die Erlen hatten es ihm angetan. Jene Bäume, die während der kalten Jahreszeit regelmäßig wegen ihres reichen Zapfenbehangs von größeren Erlenzeisig-Schwärmen zur Nahrungssuche angeflogen wurden. Eine der höchsten stand am südlichen Teichrand und wurde vom Biber vor zwei Jahren „angenagt“. Die Erle blieb zwar stehen und strotzte noch so mach‘ kräftiger Sturmböe, war aber letztlich nach Einschätzung der Gemeindeverwaltung nicht mehr standsicher genug und mußte gefällt werden. Im nächsten nahrungsarmen Winter hätten das wahrscheinlich die Biber ohnehin erledigt.

Über die Gründe, warum es erforderlich sein sollte, vom Biber gefällte Bäume möglichst schnell zu beseitigen, kann man streiten. Vorausgesetzt, sie liegen nicht quer über einen Weg, den Bach oder gar auf einem Acker. Während das in allen anderen Fällen die Einen als mögliche „Vergrämungsmaßnahme“ sehen könnten, glauben andere – zu denen auch ich gehöre – daß damit nur ein Anreiz für die Tiere geschaffen wurde, möglichst schnell den nächsten Baum in Angriff zu nehmen. Schließlich brauchen sie Nahrung und Baumaterial. Im Adlkofener Biberrevier ist man dieser Unsitte jedoch immer schnellstens nachgekommen. Es ist absolut kontraproduktiv einem Tier sein „Lieblingsspielzeug“ wegzunehmen, wenn direkt neben ihm das gleiche liegt. Weiß jeder Hundebesitzer. Wenn es also um eine „Vergrämung“ ging, hätte man vielleicht bei denen mal nachfragen sollen…

Der perverse Höhepunkt an der bisherigen Adlkofener Bibergeschichte: Nun hoffen die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Landshut darauf, daß sich, sobald man dem jetzigen noch verbliebenen Biber in Adlkofen den Garaus gemacht hat, dort neue Biber ansiedeln. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, den die Biberreviere in ganz Niederbayern und gerade auch in unserem Landkreis sind angeblich voll. So betrachtet, wäre die Wahrscheinlichkeit groß, daß dieser Wunsch schon bald in Erfüllung gehen könnte. Schließlich hatte es nach dem ersten, dem „Verkehrsdarwinismus“ in Adlkofen zum Opfer gefallenen Biber, ziemlich raschen Neuzuzug im Revier gegeben. Die zweite damit verbundene Hoffnung, dürfte sich allerdings als utopisch erweisen. Man hofft darauf, so war am gestrigen Freitag bei unserer Rücksprache bei der Behörde zu den Vorgängen vor Ort im Biberrevier zu erfahren, „daß die neuen Biber dann keine Dämme im Pfarrwiesgraben mehr bauen werden“. Das ist so, als glaube man daran, jeden Tag im Lotto einen Sechser zu haben und das dürfte ja reichlich absurd sein. Die leidtragenden werden die dann im Adlkofener Todesrevier neu zugezogenen Biber sein, denen das gleiche Schicksal blühen wird, wie unseren „alten“. Es wäre sinnvoller gewesen, dem Adlkofener Biber eine faire, weil artgerechte Chance zu geben auch wenn – so konnte man den Eindruck während des Gesprächs mit der Vertreterin der Landshuter Naturschutzbehörde gewinnen – Niederbayern von Bibern überzuquellen droht und man froh ist, wenn es weniger würden…

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